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Peter-Andreas Hassiepen

Georg-Büchner-Preis 2010 für Reinhard Jirgl

Reinhard Jirgl, Autor u. a. des in der Reihe SCHRITTE/KROKI in polnischer Sprache erschienenen Romans Die Unvollendeten (übersetzt von Ryszard Wojnakowski, Borussia, Olsztyn 2009), ist von der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung zum Georg-Büchner-Preisträger 2010 gewählt worden. Der Preis wird dem Schriftsteller auf der Herbsttagung der Akademie am 23. Oktober in Darmstadt überreicht.

Reinhard Jirgl ist der siebente Büchner-Preisträger unter den Autoren der Reihe SCHRITTE/KROKI. In den vergangengen Jahren wurden mit diesem höchsten deutschen Literaturpreis Golo Mann (1968), Uwe Johnson (1970), Arnold Stadler (1999), Wolfgang Hilbig (2002), Wilhelm Genazino (2004) und Martin Mosebach (2007) ausgezeichnet.

5 Jahre SCHRITTE/KROKI

Seit der Inauguration der Reihe zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur SCHRITTE/KROKI auf der 50. Internationalen Buchmesse in Warschau im Mai 2005 sind inzwischen 5 Jahre vergangen, in denen in 18 polnischen Verlagen in der Übersetzung von 19 ÜbersetzerInnen 39 Bücher herausragender, dem polnischen Leser bis dahin meistens unbekannter Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich erschienen sind. Zur Zeit ist es wohl die einzige Initiative diesen Ranges, die in Polen zugunsten der Literatur eines bestimmten Sprachraumes realisiert wird. Dank diesen Büchern können Leser in Polen ein umfassenderes Bild von dem haben, was die wichtigsten Schriftsteller deutscher Sprache bewegt und von der Leserschaft in den genannten Ländern rezipiert wird. Die Bücher, die in der Reihe erscheinen, dienen prinzipiell nicht ausschließlich der Befriedigung des Unterhaltungsbedarfs potentieller Leser, sondern sind an ein Lesepublikum adressiert, das von der Literatur überzeugende, originelle Darstellungen der heutigen wie gewesenen Wirklichkeit, Antworten auf wichtige Fragen unserer Zeit, Problemstellungen, über die man nachdenken sollte, unkonventionelle Erzählformen erwartet. Die Initiatoren der Reihe und ihre Partner sind der Ansicht, dass der Kreis der Freunde einer solchen Literatur in Polen nach wie vor beträchtlich, das aktuelle Angebot des Buchmarktes hingegen inzwischen zu bescheiden ist, um den Bedarf dieser Lesergruppe zu befriedigen, in diesem Fall im Bereich ambitionierter deutschsprachiger Literatur. Das ist auch der Grund, weshalb die Reihe fortgesetzt wird.




Karl-Dedecius-Preis 2009 für Ryszard Wojnakowski

Ryszard Wojnakowski erhielt den angesehenen Karl-Dedecius-Preis 2009 für herausragende Übersetzungen deutschsprachiger Literatur ins Polnische sowie für seine Vermittlungsarbeit zwischen Polen und Deutschland. Es ist dies wohl die wichtigste Auszeichnung, die einem Übersetzer aus dem Deutschen zuteil werden kann. In diesem Jahr wurde der Preis, der von der Robert Bosch Stiftung gestiftet wird, zum vierten Mal vergeben. Die Preisverleihung findet am 22. Mai 2009 in Krakau statt.

Ryszard Wojnakowski studierte Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1983-1993 war er Lektor im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie, seit 1993 arbeitet er freiberuflich als Übersetzer und Herausgeber. Als Übersetzer debütierte er Ende der 70., Anfang der 80. Jahre. Er übersetzte u. a. Prosa von H. Böll, E.M. Remarque, K. Mann, K. L. Immermann, M. Ende, S. Heym, B. Schlink, Gedichte u.a. von F. Mayröcker, I. Aichinger i R. Ausländer, Theaterstücke u. a. von G. Hauptmann und E. Canetti sowie Essays u. a. von M. Buber, G. Scholem, M. Lurker, F. Dornseiff. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman von Edgar Hilsenrath Das Märchen vom letzten Gedanken (Ksi±¿nica, 2006), die Romane von Wolfgang Hilbig "Ich" (Atut, 2006) und Das Provisorium (Atut, 2008) sowie den Roman von Walter Moers 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär (s³owo/obraz terytoria, 2007) übersetzt. Er erhielt den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (1994), den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1996) und den Preis der Monatsschrift Literatura na ¦wiecie (2007). Er ist Initiator und Herausgeber einer Reihe zeitgenössischer österreichischer Lyrik, die seit dem Jahre 2000 im Verlag Oficyna Literacka, ab 2002 im Verlag Antykwa und ab 2007 im Verlag Atut erscheint.


Foto: Rowohlt Verlag

Deutscher Buchpreis 2008 für Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp, Autor des im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI erschienenen Romans Der Eisvogel (poln. von Bogdan Baran, Wydawnictwo Bellona, Warszawa 2006) erhielt den Deutschen Buchpreis 2008 für seinen Roman Der Turm (Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008). Der Deutsche Buchpreis wurde 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestiftet und wird dem Verfasser / der Verfasserin des besten deutschsprachigen Romans der letzten 12 Monate verliehen. In der Begründung schrieb die Jury: "Uwe Tellkamps großer Vorwenderoman "Der Turm" entwirft in einer Fülle von Szenen, Bildern und Sprachformen das Panorama einer Gesellschaft, die ihrem Ende entgegentaumelt. Am Beispiel einer bürgerlichen Dresdner Familie erzählt er von Anpassung und Widerstand in einem ausgelaugten System. Der Roman spielt in den verschiedensten Milieus, unter Schülern, Ärzten, Literaten und Politkadern. Uwe Tellkamp schickt seinen rebellischen Helden Christian Hoffmann auf eine Höllenfahrt, aus seiner Enklave in den Militärdienst bis zum Strafvollzug der NVA. Den Lesern erschließen sich wie nie zuvor Aromen, Redeweisen und Mentalitäten der späten DDR. Unaufhaltsam treibt das Geschehen auf den 9. November zu".

Der Schweizer Autor Jürg Schubiger, dessen Erzählsammlung Als die Welt noch jung war in der Reihe SCHRITTE/KROKI in der polnischen Übersetzung von Emilia Bielicka bei Oficyna Wydawnicza ATUT, Breslau 2007, erschienen ist, erhielt den Hans Christian Andersen-Preis 2008. Dieser sog. kleiner Nobelpreis wird alle zwei Jahre vom Internationalen Kuratorium für das Jugendbuch (IBBY) verliehen und ist die höchste Auszeichnung, die ein Kinder- und Jugendbuchautor bekommen kann. Jürg Schubiger ist der erste Schweizer Autor, der sie nun erhält. Der Preis wird dem Schriftsteller am 7. September 2008 bei der Eröffnung des IBBY-Kongresses in Kopenhagen überreicht.

Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis
für Ma³gorzata £ukasiewicz

Ma³gorzata £ukasiewicz erhielt den Calwer Hermann-Hesse-Übersetzerpreis für ihre Übersetzung des Briefwechsels zwischen Hermann Hesse und Thomas Mann (Hermann Hesse - Tomasz Mann: Korespondencja, PIW, Warszawa 2006). Es ist eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen für Übersetzer aus dem Deutschen, die von der Stiftung Calwer Hermann-Hesse-Preis verliehen wird. Der Preis wird am 2. Juli 2008, dem Geburtstag des Schriftstellers, überreicht.

Ma³gorzata £ukasiewicz, Übersetzerin deutschsprachiger Literatur und Essayistin, studierte Fremdsprachen und Philosophie an der Universität Warschau. Sie kooperiert mit vielen Verlagen, Medienanstalten, Kulturinstitutionen und wissenschaftlichen Forschungsinstituten in Polen und im Ausland. Sie hat mehr als 60 Bücher übersetzt, darunter von Theodor W. Adorno, Hans-Georg Gadamer, Jürgen Habermas, Hermann Hesse, Hans Robert Jauss, Friedrich Nietzsche, German Ritz, W. G. Sebald, Georg Simmel, Patrick Süskind (u. a. den Roman Das Parfüm), Robert Walser. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat sie das Buch des österreichischen Autors Gerhard Roth Eine Reise in das Innere von Wien (PIW, Warszawa 2006) übersetzt. 2007 erschien eine Sammlung ihrer Literaturskizzen, die sie regelmäßig in der Krakauer Monatsschrift "Znak" publiziert. Sie erhielt in der Vergangenheit u. a. den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes, der Robert Bosch-Stiftung, des polnischen PEN-Clubs und der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie".

Preis des Autorenverbandes ZAiKS für Ryszard Turczyn

Ryszard Turczyn erhielt den diesjährigen Preis des Autorenverbandes ZAiKS für seine Übersetzungen aus dem Deutschen.

Ryszard Turczyn frißt seinen Unterhalt - ein seltener Fall bei den Literaturübersetzern in Polen - von Anfang an und ausschließlich von seiner freien Übersetzertätigkeit. Er übersetzt aus dem Deutschen und dem Niederländischen, vor allem Belletristik und geisteswissenschaftliche Literatur aus den Bereichen Philosophie, Psychologie, Soziologie, Literatur- und Kulturwissenschaft etc. Er ist u.a. auch Mitverfasser eines Wörterbuchs sinnverwandter Wörter (zusammen mit Ewa Geller i Andrzej D±brówka). Unter den übersetzten Autoren (er hat mittlerweile mehr als hundert Bücher übersetzt) befinden sich solche Namen wie Hermann Broch, Gottfried Benn, Georgy Lukács, Elfriede Jelinek oder Harry Mulisch, aber auch Christiane F., Erich von Däniken, Herbert Rosendorfer, Ildiko von Kürthy oder Wladimir Kaminer. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Am Hang von Markus Werner (Polski Instytut Wydawniczy 2005), den Roman Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen von Christoph Simon (Wydawnictwo Jacek Santorski 2005), den Roman Terrordrom von Tim Staffel (Bellona 2006) und den Essayband Jenseits von Schuld und Sühne von Jean Améry (Homini 2007) übersetzt.

Preis des polnischen PEN Clubs für Maria Przyby³owska

Die Übersetzerin Maria Przyby³owska erhielt den Preis des polnischen PEN Clubs für hervorragende Errungenschaften im Bereich der Übersetzung deutschsprachiger Literatur ins Polnische, insbesondere für ihre Übersetzungen der Werke von Elias Canetti.

Maria Przyby³owska arbeitete, nach germanistischen Studien in Warschau und Leipzig, in einer Presseagentur, beim Rundfunk und an einem Forschungsinstitut als Übersetzerin von journalistischen und Fachtexten, sowie - in den Jahren 1987-1996 - als Lektorin im Verlag "Czytelnik". Parallel dazu übersetzte sie deutschsprachige Belletristik ins Polnische. Sie debütierte mit der Übersetzung von Elias Canettis Die gerettete Zunge. Außer mehreren Büchern dieses Autors übersetzte sie u.a. den Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz (zusammen mit Eliza Borg), ferner Bücher von Horst Bienek, Peter Sichrovsky, Robert Menasse, Helga Hirsch u.a., darunter auch Kinderbücher. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat sie den Roman Das Muster von Dieter Forte (zusammen mit Eliza Borg, Ksi±¿nica 2006) und den Roman Die Brücke vom Goldenen Horn von Emine Sevgi Özdamar (Pogranicze 2007) übersetzt. Sie erhielt den Preis der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie" für ihr Gesamtwerk mit besonderer Berücksichtigung der autobiographischen Trilogie von Elias Canetti (1993), den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung für die Übersetzung von Masse und Macht von Elias Canetti (1993, zusammen mit Eliza Borg), den Preis des Ministers für Kultur und Sport der Republik Österreich für ihr Gesamtwerk (1993) und den Karl Dedecius-Preis (2005).

Preise der Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie"
für SCHRITTE/KROKI-Übersetzer

Die Monatsschrift "Literatura na ¦wiecie" verlieh ihre Preise für die besten Literaturübersetzungen des Jahres 2006 u.a. an zwei Übersetzer der Reihe SCHRITTE/KROKI. Ryszard Wojnakowski erhielt den Preis für seine - im Rahmen der Reihe erschienene - Übersetzung des Romans "Ich" von Wolfgang Hilbig (Oficyna Wydawnicza Atut, Wroclaw), Krzysztof Jachmiczak - für seine Übersetzung des Romans Memoiren eines Antisemiten von Gregor von Rezzori (Pogranicze, Sejny). Darüber hinaus wurde der Mitherausgeber der Reihe SCHRITTE/KROKI, Jacek St. Buras, für seine sachbezogene Tätigkeit im Rahmen der Reihe geehrt. Die Preisverleihung fand am 12. Oktober 2007 im Warschauer Sitz der Zeitschrift statt.

Ryszard Wojnakowski
Krzysztof Jachimczak
Jacek St. Buras

Ryszard Wojnakowski studierte Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. 1983-1993 war er Lektor im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie, seit 1993 arbeitet er freiberuflich als Übersetzer und Herausgeber. Als Übersetzer debütierte er Ende der 70., Anfang der 80. Jahre. Er übersetzte u.a. Prosa von H. Böll, E.M. Remarque, K. Mann, K.L. Immermann, M. Ende, S. Heym, B. Schlink, Gedichte u.a. von F. Mayröcker und I. Aichinger, Theaterstücke u.a. von G. Hauptmann und E. Canetti sowie Essays u.a. von M. Buber, G. Scholem, M. Lurker, F. Dornseiff. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman von Edgar Hilsenrath Das Märchen vom letzten Gedanken (Ksi±¿nica, 2006), den Roman von Wolfgang Hilbig "Ich" (Atut, 2006) und den Roman von Walter Moers 13 1/2 Leben des Käpt`n Blaubär (s³owo/obraz terytoria, 2007) übersetzt. Er erhielt den Förderpreis der Robert Bosch Stiftung (1994) und den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1996). Er ist Initiator und Herausgeber einer Reihe zeitgenössischer österreichischer Lyrik, die seit dem Jahre 2000 im Verlag Oficyna Literacka und ab 2002 im Verlag Antykwa erscheint.

Krzysztof Jachimczak studierte polnische Sprache und Literatur sowie Germanistik an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Er war Mitbegründer und ab 1996 Mitglied des Programmrates der Reihe "Schriftsteller deutscher Sprache", die im Krakauer Verlag Wydawnictwo Literackie unter der Schirmherrschaft von Karl Dedecius erscheint. Er erhielt als erster den Übersetzerpreis im Wanda Kragen-Wettbewerb (1988) und den Karl Dedecius-Übersetzerpreis (2003). Zu den von ihm übersetzten Autoren gehören u.a. Ingeborg Bachmann, Friedrich Dürrenmatt, Joachim Fest, Max Frisch, Josef Haslinger, Stefan Heym, Florian Illies, Ephraim Kishon, Pavel Kohout, Karl May, Leo Perutz, Luise Rinser, Hagen Schulze, Lothar Streblow, Botho Strauß, Rafik Schami, Gregor von Rezzori, Anne Weber. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Lagerfeuer von Julia Franck (Dom pod Krakowem, 2006), den Roman Der Nebelfürst von Martin Mosebach (Twój Styl, 2006) und den Roman Barbar Rosa von Georg Klein (Sic!, 2007) übersetzt.

Jacek St. Buras studierte Germanistik an der Universität Warschau. 1982-1997 war er Redakteur für deutschsprachige Literatur an der Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie", 1997-2004 - Direktor des Polnischen Institutes in Wien. Er erhielt u.a. den Preis der Robert Bosch Stiftung (1989), den Preis des Polnischen Übersetzerverbandes (1993), den Preis der Autorenagentur ZAiKS (1998), den Preis der Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie" (1999), den Österreichischen Staatspreis (2005). Er übersetzte Lyrik u.a. von P. Celan, H. M. Enzensberger, K. Krolow, B. Brecht, E. Fried, G. Eich, S. George, J. von Eichendorff, G. Trakl, Essays u.a. von R. Musil, P. Handke, F. Dürrenmatt, Prosa u.a. von J. von Eichendorff sowie mehr als 60 Theaterstücke u.a. von G. E. Lessing, J. W. Goethe, F. Schiller, H. von Kleist, B. Brecht, F. Bruckner, Ö. von Horvath, F. Dürrenmatt, G. Tabori, H. Müller, Ch. Hein, T. Dorst, T. Bernhard, W. Schwab, M. Streeruwitz, D. Loher. Im Rahmen der Reihe SCHRITTE/KROKI hat er den Roman Der Blindensturz von Gert Hofmann (PIW, 2005), Erzählungen von Hermann Burger (s³owo/obraz terytoria, 2006), den Roman Gebürtig von Robert Schindel (Austeria, 2006) und den Roman Der fliegende Berg von Christoph Ransmayr (PIW, 2007) übersetzt.

Deutscher Buchpreis 2007 für Julia Franck

Julia Franck, Autorin des im Rahmen der Reihe KROKI/SCHRITTE erschienenen Romans Lagerfeuer (poln. von Krzysztof Jachimczak unter dem Titel Berlin - Marienfelde, Dom pod Krakowem 2006) erhielt den diesjährigen Deutschen Buchpreis für ihren Roman Die Mittagsfrau (S. Fischer Verlag 2007). Der Deutsche Buchpreis (25.000 Euro) wurde vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2005 gestiftet und wird dem Verfasser / der Verfasserin des besten deutschsprachigen Romans der letzten 12 Monate verliehen (in diesem Jahr wurden 117 Kandidaturen angemeldet).

Der Roman Die Mittagsfrau umfaßt die Jahre vom ersten bis zum Ende des zweiten Weltkrieges und erzählt von einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Platz im Leben aus dem heimatlichen Bautzen nach Berlin der Zwanziger Jahre wandert, sich mit der großstädtischen Realität vertraut macht, Arbeit findet, die ersten Liebesfaszinationen und -enttäuschungen erlebt, Zeugin des aufkommenden Faschismus wird und vom Strom der Kriegsereignisse mitgerissen nach Stettin als Ehefrau eines Naziarchitekten und Mutter eines siebenjährigen Jungen gerät. Auf der Flucht vor der anrückenden Roten Armee faßt sie den ungeheuer dramatischen Entschluß: sie läßt ihren Sohn allein auf einem Bahnhof zurück und verschwindet für immer. Der Roman, dem authentische Ereignisse aus der Familiengeschichte der Verfasserin zugrunde liegen, schildert aus der Perspektive einer einfachen und doch gewiß ungewöhnlichen Frau ein beeindruckendes Panorama der deutschen Schicksale im Verlauf von mehreren Jahrzehnten.


Foto: Jürgen Bauer

Wolfgang Hilbig ist gestorben

Am 2.06. starb in Berlin im Alter von 65 Jahren Wolfgang Hilbig, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der letzten zwanzig Jahre, Autor u. a. des im vorigen Jahr in der Reihe SCHRITTE/KROKI publizierten Romans "Ich", seines einzigen Buches, das bis jetzt auf Polnisch (in der Übersetzung von Ryszard Wojnakowski, Oficyna Wydawnicza Atut, Wroc³aw 2006) erschienen ist. In der ehemaligen DDR, wo er geboren wurde und den größten Teil seines Lebens verbracht hatte, galt er als autodidaktischer Schriftsteller für einen unbequemen Sonderling ohne Publikationsmöglichkeiten. Als 1979 in der BRD sein erster Lyrikband unter dem bezeichnenden Titel abwesenheit erschienen war, kam Hilbig in Untersuchungshaft und wurde zu einer Geldstrafe wegen angeblicher Devisenvergehen verurteilt. Erst 1983 erschien in der DDR ein Band seiner Lyrik und Prosa, betitelt Stimme Stimme. Diese Publikation machte es möglich, den Autor auch in Polen vorzustellen (gemäß den damaligen Standards ein in der DDR unerwünschter Autor konnte auch in der "brüderlichen" Volksrepublik Polen nicht publiziert werden). In der Warschauer Monatsschrift "Literatura na ¶wiecie" (4/1985) erschienen daraufhin sieben Gedichte von Wolfgang Hilbig in der Übersetzung von Jacek St. Buras. 1985 reiste Hilbig in die BRD aus, wo er aber ebenfalls nicht heimisch wurde. Seine Erfahrungen aus jener Zeit beschrieb er später in dem Roman Das Provisorium (2000). Sein Werk, dessen zentrale Themen der Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft sowie die Suche nach der eigenen Identität sind, balanciert am Schnittpunkt von Wirklichkeit und Fiktion und wird von virtuoser Sprachkunst getragen. Aus Anlaß des Erscheinens in Polen des Romans "Ich", in dem Hilbig auf originelle und zugleich meisterliche Weise die komplizierten Relationen zwischen einem STASI-Beamten und dem von ihm angeworbenen Literaten in den letzten Jahren der DDR schildert, besuchte der Autor im Februar vorigen Jahres Polen und begegnete in Breslau seinen polnischen Lesern (siehe Bericht unter "Veranstaltungen").


Foto: Susanne Schleyer

Georg-Büchner-Preis 2007 für Martin Mosebach

Martin Mosebach, Autor u..a des in der Reihe SCHRITTE/KROKI in polnischer Sprache erschienenen Romans Der Nebelfürst (übersetzt von Krzysztof Jachmiczak, Twój Styl, Warszawa 2006), ist von der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung zum Georg-Büchner-Preisträger 2007 gewählt worden. Der Preis wird dem Schriftsteller am 27. Oktober überreicht.
Martin Mosebach ist der sechste Büchner-Preisträger unter den Autoren der Reihe SCHRITTE/KROKI. In den vergangengen Jahren wurden mit diesem höchsten deutschen Literaturpreis Golo Mann (1968), Uwe Johnson (1970), Arnold Stadler (1999), Wolfgang Hilbig (2002) und Wilhelm Genazino (2004) ausgezeichnet.

Österreichischer Staatspreis für S³awa Lisiecka

Der österreichische Staatspreis für literarische Übersetzung geht in diesem Jahr an die herausragende Übersetzerin schöngeistiger und philosophischer Literatur S³awa Lisiecka. Der renommierte Preis, den das Bundeskanzleramt seit 1998 alljährlich (in diesem Jahr also zum zehnten Mal) einem Literaturübersetzer aus dem Deutschen zuerkennt, wird der Laureatin im Juni im Robert Musil-Institut in Klagenfurt verliehen.

S³awa Lisiecka debütierte 1975 in der Zeitschrift "Literatura na ¦wiecie". Sie hat nahezu 70 Bücher übersetzt, u.a. Gedichte, Theaterstücke und Romane von Peter Härtling, Stefan Heym, Siegfried Lenz, Günter Grass, George Tabori, Hermann Hesse, Adolf Muschg, Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek, Franzobel, Juli Zeh und Christoph Ransmayr sowie Werke von Max Weber, Ludwig Wittgenstein und Martin Heidegger. Zusammen mit ihrem Mann, Zdzis³aw Jasku³a, übersetzte sie Gedichte von Ingeborg Bachmann und Friedrich Nietzsches Also sprach Zarathustra.

Im Rahmen der Serie KROKI/SCHRITTE übersetzte S³awa Lisiecka die Erzählung Das Muschelessen von Birgit Vanderbeke (Sic! 2006) und den Roman Die Absonderung von Georges-Arthur Goldschmidt (s³owo/obraz terytoria 2006). Zurzeit arbeitet sie an der Übersetzung des Romans Mutmaßungen über Jakob von Uwe Johnson, der in der Verlagsgenossenschaft "Czytelnik" erscheinen wird. Es wird die erste polnischsprachige Buchpublikation dieses herausragenden Autors sein, der in der Volksrepublik Polen auf dem Index stand.

Herzlichen Glückwunsch!
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